Montag, 8. September 2014

Häkeln ist auch Arbeit!

Manchmal finde ich es echt schade oder auch frustrierend, dass manche Leute denken Häkeln geht mal so fix fix. Ich mein, ich bin ja schon schnell, aber auch für kleinere Sachen brauche ich manchmal Stunden, wo andere denken "ach das ist ja in ein paar Minuten gehäkelt.

Auch einfach erscheinende Sachen brauchen Zeit!

Ein Beispiel das mich frustriert hat: hin und wieder häkel ich Puppen auch Kleinkind-sicher, dazu nähe ich zum Beispiel die Schuhe fest. Wenn ich dann zu hören bekomme, ja du nähst die ja eh nur fest, bin ich schon fast beleidigt und meine Nähnadel auch. Um die Schuhe an den Beinen zu befestigen benötige ich eine Zange! Da ist nix mit mal fix festgenäht. Die Stiche müssen durch das Bein durch, wenn man sicher gehen will, dass man auch am Bein fest ist. Und das ist schon echt anstrengend und es dauert auch einen Augenblick, denn Nadel und Faden flutschen nicht so einfach durch. Meistens bekommt man die Nadel auch nicht fest genug gegriffen um sie durchziehen zu können, eigentlich meistens, deswegen die Zange.

Wenn ich zum Beispiel auch Garnaugen aufnähe, habe ich danach schon leichte Blutergüsse an den Fingerkuppen gehabt, weil das Durchziehen und Platzieren der Nadel nicht ganz so einfach ist, wie man sich vorstellt. Und gerade bei Augen muss man langsam machen, damit aus den runden Kulleraugen nicht eckige Bausteine werden. Auch da ist die Zange mein bester Freund.

Anfänger haben's da ja noch schwerer. Wenn sie noch nicht viel gemacht haben und noch ungeübt in den Bewegungen beim Häkeln sind, dauert die Arbeit an einem Projekt nochmal so lange. Dann zu sagen "ja mach mal schnell" oder "hey, dann kannst du mir ja morgen auch mal was mitbringen" (um es mal überspitzt darzustellen) ist schon gemein, wenn nicht sogar frech. Und zeigt, dass Häkelarbeiten einfach nicht geschätzt werden, aber auch unterschätzt werden.

In viele Sachen wird viel Zeit und Liebe gesteckt. Solche Äußerungen werten die Arbeit echt herunter!
Mal ehrlich, jeder würde es doch gemein und unpassend finden, wenn jemand so über die eigenen Arbeiten und Projekte reden würde, oder?

Und was man auch nicht unterschätzen darf ist, dass das Arbeiten mit Wolle und Garn sehr auf die Haut geht. Aktuell habe ich sehr kaputte Hände, die Fingerkuppen sind aufgerissen, an den Fingern hab ich Krater da wo sich der Faden in die Haut gefressen hat. Gut das kommt jetzt auch daher, dass ich wirklich viel mache, aber auch die Blasen und Schwielen, die die Häkelnadel verursacht, tun ordentlich weh, wenn sie frisch sind.
Und es gehört schon einige Anstrengung dazu, damit sie sich auf der Haut bilden. Man häkelt ja nicht fünf Minuten und hat sie gleich.

Ich weiß nicht, ob das hier zu quängelig ankommt, aber ich habe das schon öfter erlebt und auch schon von anderen gehört. Und ich finde es einfach nur schade, dass die eigene Arbeit immer mit Gold aufgewogen wird und bei anderen ist sie nichts oder kaum wert. Seit ich soviel Handarbeit mache, weiß ich solche Arbeiten auch ganz anders zu schätzen, nicht nur weil ich jetzt weiß was Material wirklich kosten kann, sondern auch welche Arbeit hinter vielen Dingen wirklich steckt und dass die meisten das wirklich mit Liebe machen und man es ihnen eigentlich nicht dankt. Denn das, was an Arbeit in Handarbeiten rein gesteckt wird, wird nie bezahlt. Es ist immer nur eine kleine Aufwandsentschädigung, manchmal auch nur ein Dank und selbst dann wird noch gemäkelt.

Das ist wirklich frustrierend und manchmal auch sehr verletzend. Es wäre schön, wenn daran mehr gedacht wird. Ansonsten sollte man beim Kaufen am besten die Finger von Handarbeiten lassen und zu Massenware greifen.



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